Dein Muster, mein Muster? Von Jasmine Miled

Über gesellschaftliche Kategorisierungen könnte man womöglich eine ganze Reihe an Büchern schreiben. Jedoch stellt sich die Frage, inwiefern dieses Zuordnen negativ zu sehen ist und inwiefern positiv? Müssen wir wirklich klar zugeordnet werden als männlich und weiblich?

Ich möchte zunächst Gründe nennen, warum es manche Menschen wohlmöglich gut finden, dieses Schubladendenken zu haben: Zunächst könnte es sein, dass es eine gewisse Regelhaftigkeit bewahrt. X macht dies, Y macht jenes. Es sind Rollen die wir schon seit dem Beginn der Menschheit haben. Du magst Blau, weil du ein Junge bist, ich mag Rosa, weil ich ein Mädchen bin. Ich bin fleißig und ordentlich, weil ich eine Frau bin und übernehme Konsequenzen, du bist ein Mann, du machst die schwierige Arbeit im Haushalt, bohrst, schraubst, trägst schwer, übernimmst das Auto. Du bist körperlich stärker als ich, also machst du diese Tätigkeiten. Ich als Frau gehe gerne einkaufen, rede gerne, liebe Schuhe, ich mag es zu diskutieren. Du als Mann liebst große Maschinen, Frauen, Fußball, Bier. Würde ich mich als Frau für so etwas interessieren? Wohl kaum. Ich bin mit meinem Denken zufrieden, du bist es mit deinem. So hat alles seine Ordnung und wir langweilen uns beide nicht.

In Anbetracht solcher Ansichten, wäre es wohl ganz gut, gesellschaftlich kategorisiert zu sein. So entstehen keine Konflikte und jeder hat seinen Spaß ohne groß Wirbel drum zu machen.

Komme ich jetzt zu den negativen Sachen. Was ist, wenn ich mich als Frau für Fußball interessiere? Werde ich dann abgewiesen?  Was ist, wenn du dich als Mann für Mode interessierst, wirst du dann von der Gesellschaft ausgeschlossen?

Nach meiner Ansicht gibt es aber viel mehr negative Aspekte einer klaren Geschlechtskategorisierung: Ich möchte nicht, dass du mehr Rechte hast als Mann, als ich als Frau, nur weil es immer so war. Es ist in Ordnung, wenn ein Mann alleinerziehend ist, dann steht er als liebevoller und verantwortlicher lieber Papa da. Ist eine Frau hingegen alleinerziehend, wird sie als Loserin, Nichtskönnerin und als Niete bezeichnet.  Ich finde es unpassend, dass es oftmals nicht in die Gesellschaft passt einmal anders zu sein. Dass man Änderungen ablehnt, weil sie fremd sind und Menschen immer Angst vor Fremden haben. Es ist auch eine Diskriminierung für das dritte Geschlecht. Ein Intersexueller findet zum Beispiel oft keine Anerkennung, nur weil er anders ist, obwohl er selbst dafür nichts kann. Warum soll man für etwas bestraft werden was man nicht bestimmen kann? Warum sollte es gut sein, dass du dein festes Muster hast und ich meines? Es ist missachtend Menschen auszuschließen, weil sie weder Mann noch Frau sind und nur als ein „Etwas“ bezeichnet werden, als hätten sie keine Gefühle oder Identität. Eigentlich sind wir alle gleich: Egal ob als Mann, Frau, Intersexueller, Transsexuelle, als starke Frau, als emotionaler Mann, als modebewusster Junge oder als handwerklich geschickte Frau, die in einer Werkstatt arbeitet.

Wusstet Ihr zum Beispiel, dass wir als Embryo in den ersten 30 Tagen beide Geschlechtsanlagen haben? Männlich UND weiblich? Wir werden alle intersexuell geboren. Mit der Zeit entscheidet dann ein komplexes Zusammenspiel aus Genen und Hormonen die Entwicklung des Geschlechtes im Mutterleib und so werden wir zu Mann oder Frau.

Du trägst etwas von mir in dir und ich trage etwas von dir in mir. Sind wir also nicht doch alle gleich?

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Der Trend des Veganismus. Von Dilara Yağmur Beştepe

Die Tendenz zur veganen Ernährung ist auf der ganzen Welt immer mehr wahrzunehmen. In Deutschland leben etwa 1,3 Millionen Menschen vegan und die Anzahl der Veganer steigt stetig. Die Gründe dafür variieren von Person zu Person. Im Allgemeinen gibt es folgende Gründe für ein veganes Leben:
1.) Das Tierwohl
Viele vegan lebende Menschen sind gegen die Ausbeutung von Tieren. Sie sind der Meinung, dass vegetarisch zu sein nicht genug ist, weil die Ausbeutung der Tiere für ihre Milch, Ei, Honig usw. auch tödlich für sie sei. Dies kann sogar schlimmer sein, als eine Ausbeutung für Fleisch: Die Tiere sind gezwungen, ihre Leben in einem Käfig zu verbringen und sind ständig gefordert Dinge zu „produzieren“. Eigentlich sind alle tierischen Lebensmittel, ob Fleisch oder andere, Bestandteile des gleichen Systems. Die Milch- und Ei-Produktion stehen somit untrennbar mit der Fleischindustrie in Verbindung. Am Ende des Produktionsprozesses gehen die Tiere auf jeden Fall in den Tod.

2.) Die Gesundheit
Menschliche Gesundheit ist ebenfalls einer der wichtigsten Gründe. Der hohe Fleischkonsum ist eine der Hauptursachen verbreiteter Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu hohe Cholesterinwerte und sogar Krebs.

3.) Die Umwelt
Es gibt Bedenken, dass bei einer Steigerung der Veganerzahl die Anbauflächen gefährdet sind. Dagegen sieht es ganz anders aus: Wenn wir alle vegan leben würden, würden die Nahrungsmittelemissionen der Welt bis zum Jahr 2050 um 70% sinken, so ein Bericht über Ernährung und Klima in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS). Die Autoren der Studie von der Universität Oxford beziffern den wirtschaftlichen Wert dieser Emissionseinsparungen auf rund 440 Milliarden Pfund Sterling.

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Feminismus bei Männern. Von Munzur Şanli

In 60er Jahren galt Feminismus als ein nicht auszusprechendes Wort. Die Menschen sprachen über Feminismus, als ob es ein Schimpfwort gewesen wäre. Immer wenn eine Frau gesagt hat, sie sei eine Feministin, dann machten sich viele über sie lustig. Damals war es undenkbar, dass ein Mann ein Feminist ist. Ist es heutzutage aber immer noch so?

Mit der Zeit entwickelten sich die Frauenrechte. Bei dieser Entwicklung verdienten die Frauen immer mehr Selbstbewusstsein über ihren Platz in der Gesellschaft und sie informierten sich über Feminismus. Nun können viele Frauen ihr eigenes Geld verdienen, in einem Unternehmen arbeiten und Gleichheit fordern – wie Männer. Die heutigen Frauen sind sich bewusst darüber, was sie tun und wie sie sich weiter entwickeln können. Durch diese positiven Entwicklungen informieren sich immer mehr Menschen über Feminismus. Diese Informationsbeschaffung erfolgt am meisten über das Internet. Dadurch erhöht sich der Einfluss feministischer Ideen auf die Menschen. Insbesondere wissen die Frauen nun, dass Feminismus den Frauen Rechte zuspricht.

Eine wichtige Frage ist: Wie werden Männer davon beeinflusst, dass Frauen in der Gesellschaft unabhängig leben können und viel gesellschaftliche Verantwortung übernehmen? Ein moderner und sich selbst bewusster Mensch sollte davon überzeugt sein, dass die Entwicklungen bei den Frauenrechte die ganze Gesellschaft beeinflussen. Wenn Frauen in einer Gesellschaft z.B.  die gleichen Rechte und Freiheiten haben wie Männer, ist die Zukunft dieser Gesellschaft brillant. Außerdem ist ein weiteres Merkmal einer sich entwickelnden Gesellschaft, dass Frauen in dieser Gesellschaft gegen Ungerechtigkeiten aufstehen – aber wie reagieren manche Männer darauf?

Es ist nicht abzustreiten, dass Frauen jeden Tag getötet oder missbraucht werden. Wenn sich eine Frau z.B. über die Belästigung beschwert, verteidigen sich manche Männer, auch wenn sie nichts mit einem solchen Ereignis zu tun haben. Ein weiteres Beispiel: Wenn eine Frau sagt, die Männer sollten sich über Frauenrechte informieren, reagieren manche Männer darauf, als ob es ein persönlicher Kommentar gegenüber ihnen gewesen wäre. Ich bin der festen Überzeugung, dass manche Männer Feminismus als Angriff auf die Persönlichkeit wahrnehmen. Sie sehen Feminismus wie ein Spiel, in dem es einen Wettbewerb zwischen Männern und Frauen gibt, deswegen versuchen sie, ihre „Männlichkeit“ zu verteidigen. Ich meine, dass diese Reaktion auf dem männlichen Stolz basiert. Männliche Egos sind oft sehr ausgeprägt. Deshalb sehen manche Männer Feminismus als Beleidigung und Demütigung an, während manche Frauen überall auf der Welt gleiche Rechte für sich fordern und oftmals dafür verfolgt und getötet werden. 

Für mich steht fest, dass Sexismus ein Problem in der Gesellschaft ist, genau wie Rassismus und jede Art von Diskriminierung, und dass Feminismus immer noch ein Tabu ist. Alle Menschen sollten dagegen kämpfen, egal ob sie von einem Problem persönlich betroffen sind. Indem wir uns gegenseitig unterstützen, könnten wir etwas bewirken.

Als Muhammad Ali sagte er habe keinen weißen Leuten vertraut, unterstützten viele Weiße ihn trotz seiner Äußerungen, anstatt mit ihm zu streiten.

 

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Filmkritik: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Von Tatjana Rausch

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist ein Spielfilm des Regisseurs Uli Edel, der in Deutschland (BRD) gedreht und 1981 im Verleih herausgebracht wurde. Dieser Film dauert 2:10 Stunden, und er ist ab 18 freigegeben. Die Darsteller sind Natja Brunckhorst, die mit ihren 14 Jahren die Hauptperson des Films, Christiane Felscherinow, vortrefflich darstellte, und Thomas Haustein, der die Rolle ihres festen Freundes Detlef erfüllte.

Es muss betont werden, dass der Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ nach dem gleichnamigen biographischen Buch gedreht wurde, das auf dem Tagebuch von Christiane Felscherinow basiert. Dieser Film war bei jungen deutschen Leuten sehr beliebt, vor allem dank der realistischen Widerspiegelung der Entwicklung der Drogenabhängigkeit bei den Heranwachsenden.

Der Film erzählt uns über den persönlichen Verfall des Mädchens Kristine, die mit ihrer Familie am Rande Westberlins lebte. Kristine war mit ihrem Leben satt, kam zur Party in den Club „Sound“, wo sie einen Jungen kennenlernte. Er und seine Freunde experimentierten mit Drogen und Kristine kam nun auch erstmals damit in Berührung: sie begann zu konsumieren. Dann ging sie ins Konzert von David Bowie, wo Kristine Babsi traf. Die beiden hatten gleiche Interessen und sie schlossen Freundschaft. Um näher an Detlef und „auf seiner Höhe“ zu sein, begann das Mädchen Heroin zu fixen, und schon bald konnten sie und Detlef die Sucht nach Drogen nicht mehr kontrollieren. Schon mit 14 Jahren fing das Mädchen an, sich zu prostituieren, um ihre Drogensucht finanzieren zu können. Detlef ging ebenfalls der Prostitution nach. Einmal versuchten sie zusammen von den Nadeln loszukommen, bald ging die Sache aber schief, und sie fixten wieder. Als Kristine erfuhr, dass ihre Babsi wegen der Überdosierung starb, versuchte sie, Selbstmord zu begehen. Das gelang ihr aber nicht; die Mutter brachte Kristine zur Großmutter, wo sie von der Drogenabhängigkeit loskam.

Kristine war ein sehr hübsches Mädchen mit vollen Lippen und ausdrucksvollen Augen, jedoch mit dem Gesicht eines gefallenen Engels. Während des Films beobachten wir, wie nicht nur ihre äußerliche, sondern auch innerliche Schönheit in Schritten verfällt. Sie war ein gutes Kind, das ihre Schwester und Mutter sehr lieb hatte, aber auf einmal hatte sie die Nase voll und wollte etwas Neues ausprobieren. So begann die Kariere einer Fixerin. Alle Personen des Films sind sehr eng verbunden: sie alle waren noch sehr jung und leichtsinnig, hingen von Drogen ab und waren charakterschwach oder sogar charakterlos.

Selbstverständlich sind in einem solch unmoralischen aber gleichzeitig lehrhaften Film einige Probleme dargestellt: das erste ist das Verhältnis zwischen Kristine und ihrer Mutter. Es war für die Mutter egal, wo, wie und mit wem ihre Tochter die Zeit verbrachte und was mit ihr passierte; sie suchte nicht nach ihr, widmete ihr keine Zeit und Achtung. Noch ein Problem im Verhältnis der Gesellschaft gegenüber den Fixern wird vorgestellt: die Menschen wussten genau, was am Bahnhof Zoo passierte. Doch niemand löste dieses Problem. Die Prostitution unter den Kindern konnte nicht unentdeckt bleiben. Dieses Problem hatte fürchterliche Folgen: Selbstmorde, schreckliche Krankheiten, die Zerstörung der Persönlichkeit. Das Verhältnis der Fixer zur anderen Jugendlichen, die Drogen nur probieren wollten, ist ein weiteres wichtiges Motiv. Die Fixer versuchten nicht, sie zu überzeugen und zeigten ihnen, dass es gefährlich ist.

Jeder Film hat seine eigene Filmsprache, die eine wichtige Rolle bei der Interpretation des Films, bei dem Verständnis seines Sinns und der damit verbundenen Gefühle spielt. Die Grundsituation, die Atmosphäre des moralischen und physischen Zerfalls der jungen Leute, ist mit Hilfe der Farben sehr deutlich dargestellt. In diesem Film überwiegen graue, dunkle und bedrückende Farben. Besonders typisch ist das für die Szenen im „Sound“, wo sich die Drogen-Cliquen trafen, auf dem Bahnhof Zoo und in den Momenten, als junge Fixer in die Drogenszene kamen. Wir können diese Farben auch in den Gesichtern der Fixer bemerken, zum Beispiel in ihren Tränensäcken untern den Augen und in der Blässe ihrer Haut, die einer Leiche ähnelt. Doch es gibt auch einige Momente, in denen die Farben hell sind, zum Beispiel als Kristine zu Hause war und mit ihrer Mutter, Schwester oder Freundin sprach. Das spiegelte die Atmosphäre der Ruhe und des Glücks wider. Und auch als Kristine ins Konzert von David Bowie ging und vor der Bühne stand, wurde der Sänger in sehr hellen Farben gezeigt. Ein großer Fokus wurde in diesem Moment auf Kristines Figur gelegt. Sie wurde von oben beleuchtet, als ob dieses Licht vom Sänger ausging. Christiane war in der Buchvorlage eine Anhängerin von David Bowie und dieses Konzert bedeutete für sie viel.

Auf die Musik legte man auch einen großen Wert im Film. Meiner Ansicht nach sind die Lieder von Bowie am wichtigsten. Mit ihrer Hilfe können wir die innere Welt der Haupthelden besser verstehen. Im Lied „Heroes“ können wir Christiane und Detlef wiedererkennen: “We can be heroes just for one day”; “I’ll be King, you’ll be Queen”. Ich bin der Meinung, dass es um ihren Lebensstil geht, weil das Ziel des Lebens für sie war, am Leben zu bleiben und noch eine Dosis für den Tag zu finden. Und sobald es ihnen gelang, wurden sie „Heroes“. Als Christiane das Konzert von Bowie besuchte und der Sänger ihr in die Augen sah, fühlte sie etwas Neues. Bekanntlich war Bowie auch in der Drogenszene und Kristine sah ihn so an, als ob er für sie ein Idol, ein Vorbild war.

Dank der ausgezeichneten Montage haben wir die Möglichkeit, alle Situationen perfekt zu betrachten. Es gibt viele Momente, in denen die Kamera sehr nah an den Helden ist, besonders die Gesichter und Hände werden nah gezeigt. Durch die Bewegung der Kamera sehen wir alles langsam, detailliert und das erzeugt Spannung: zum Beispiel, in den Momenten als Christiane nach Detlef in „Sound“ suchte, als junge Leute Drogen nahmen oder während Entzugssymptome gezeigt wurden. Um die Natürlichkeit und die Realität widerzuspiegeln, benutzte man zusätzlich den Effekt der wackeligen Kamera.

Offen gestanden war ich von diesem Film beindruckt. Vom Anfang an verstand ich, dass fast nichts Gutes gezeigt wurde. Nach dem Sehen dieses Films wurde ich sehr traurig. Ich hatte mit diesen jungen Leuten Mitleid. Sie haben ihr Leben auf solche Art und Weise zerstört. Ich muss sagen, dass ich wegen des Verhaltens von Kristines Mutter während des ganzen Films sehr empört war. Sie hat nichts für die Rettung ihrer Tochter getan. Ich war von dem Spiel der jungen Schauspieler begeistert: es gelang ihnen, das Leben, den Zustand der Jugendlichen überzeugend zu zeigen. Früher hatte ich nie Filme zum Thema Drogen gesehen, doch dank diesem Film entdeckte ich etwas Neues für mich: erstmals sah ich, wie die finsteren Orten wo sich Drogenabhängiger sammeln aussehen. Der Zuschauer konnte den Vorgang des Drogennehmens sehen und wie das Äußere und die innere Welt der Fixer verändert wird.

Ich finde den Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ anstrengend und traurig aber gleichzeitig sehenswert und belehrend, weil er uns eine andere Seite des Lebens zeigt.

 

 

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“Das war einfach eine rein patriotische, nationalistische und ein bisschen eine ignorante Entscheidung”: Die Deutschen über den Brexit. Eine Interviewserie von Cerys Maidment

Im Juni 2016 hat Großbritannien sich entschieden, die Europäische Union zu verlassen. 51,9% der Bevölkerung haben für den Brexit abgestimmt und zwei Jahre später ist es immer noch unklar, was genau passieren wird.

Als Ausländerin in Deutschland werde ich oft gefragt: „Woher kommen Sie?“, und wenn ich antworte „Ich komme aus Großbritannien“, ist die Reaktion immer die gleiche: „Ah, Brexit, was für eine Schande, ey?“. Diese Denkart und negative Meinung über die politischen Ereignisse haben mich sehr interessiert und ich wollte weiter recherchieren, um die Gründe für die Stimmungen herauszufinden.

Könnte es sein, dass die deutschen Medien nicht fair genug über beide Seiten berichtet haben? War eine Pro-Brexit Meinung in Deutschland schwer zu finden? Oder war es einfach unmöglich für stolze Europäer (wie die Deutschen) zu verstehen, warum Menschen die EU verlassen möchten? Um diese Frage zu beantworten habe ich eine Gruppe von Deutschen aus verschiedenen Altersgruppen interviewt, nicht nur um herauszufinden warum die Mehrheit so denkt, sondern auch um ihren Blick auf die Zukunft zu erfahren.

 

  • Was sind Ihre Meinungen über die Brexit-Abstimmung 2016?

Konstantin (56): „Ich bin enttäuscht, dass die Briten sich gegen die EU ausgesprochen haben, weil ich glaube, dass man zusammen mit vielen Ländern ein stärkeres wirtschaftliches Auftreten hat und dass wir auch in der europäischen Zone einen Zusammenhalt haben müssen.“

Katharina (24): „Meiner Meinung nach wussten viele nicht, über was genau sie abstimmen. […] Solch eine schwerwiegende Abstimmung macht eigentlich erst Sinn, wenn wirklich alle aufgeklärt sind und darüber Bescheid wissen, was diese Entscheidung bedeutet. Das war meiner Meinung nach nicht der Fall.“

Ananda (26): „Meiner Meinung nach [war der Brexit] eine Konsequenz aus der Unzufriedenheit über die EU-Administration aber auch aus der sehr schwachen wirtschaftlichen Lage Großbritanniens, die die Unsicherheit in der Bevölkerung angetrieben und zu einem Wunsch nach Veränderung geführt hat.“

Virginia (19): „Ich fand, es war eine etwas voreilige und überhastete Entscheidung, da viele Bürger sich gar nicht so bewusst sind, was die EU für eine Rolle gespielt hat gerade in Bezug auf Großbritannien. […] Ich denke halt, dass […] viele, die dagegen gewählt haben, das einfach nur aus patriotischen Gründen gemacht haben, einfach um ihren britischen Stolz zu bewahren. […] Es bringt keinerlei Vorteile mit sich, auch nicht für Großbritannien, und außerdem finde ich, dass es nur Nachteile gibt. Das war einfach eine rein patriotische, nationalistische und ein bisschen eine ignorante Entscheidung.“

 

  • Denken Sie, dass die Presse über dieses Thema gut berichtet hat oder war die Berichterstattung zu sehr in Richtung pro-EU?

Katharina (24): „In Deutschland wurde über den Brexit eher neutral berichtet und das ganze wurde etwas „belächelt“. Ich glaube dass viele bis zum Ende noch dachten, dass Großbritannien sowieso nicht austreten wird.“

Ananda (26): „Die Presse im Ausland berichtete nur einseitig über den Brexit. Dass es ein riesiger Fehler wäre. Allerdings gibt es für Großbritannien tatsächlich viele gute Argumente dafür, dass das Land bei einem Austritt aus der EU wirtschaftlich profitieren könnte.“

Virginia (19): „[…] Ich finde die Frage ein bisschen schwierig zu beantworten, weil natürlich hat man eher die negativen Seiten des Brexit gelesen, aber andererseits was sind denn die positiven Seiten davon? Deshalb glaube ich, dass die Medien, die ich genutzt habe, um mich zu informieren, recht objektiv berichtet haben […]. Aber die Medien wollen ja Profit erzielen. Ich habe auch Zeitungen gelesen, die irgendwie so Pro- und Contra-Listen erstellt haben. Für mich haben die Medien das ganz gut gemacht.“

 

  • Wie stellen Sie sich die zukünftige Beziehung zwischen Deutschland und Großbritannien vor?

Konstantin (56): „Ich wünsche mir weiter eine sehr intensive und gute Beziehung auf der gleichen Augenhöhe mit Großbritannien. Ich denke aber, dass es schwieriger wird wenn Großbritannien austritt. Aber ich glaube, dass die Konsequenz sein wird, dass man sehr, sehr intensiver und detaillierter Verträge aushandelt, die wahrscheinlich nah an dem jetzigen Zustand sind, wenn Großbritannien in der EU geblieben wäre.“

Katharina (24): „Ich glaube dass Deutschland und Großbritannien trotzdem weiterhin ihre Beziehung aufrecht erhalten werden, da beide starke Handelspartner sind. […] Trotzdem wird ihnen deutlich gemacht werden, dass ihre Entscheidung auch Konsequenzen hat.“

Ananda (26): „Die EU wird Großbritannien spüren lassen, dass man es nicht billigt, dass man einfach aus dem „Club“ aussteigen möchte. Auch um ein abschreckendes Beispiel zu statuieren, um andere Länder davon abzuhalten ebenfalls dem Beispiel von Großbritannien zu folgen. Zwischen Deutschland selbst und Großbritannien wird sich vermutlich nichts ändern.“

Virginia (19): „Die Zukunft zwischen Deutschland und Großbritannien: ich glaube da gibt‘s nicht so eine große Zukunft. Großbritannien schottet sich halt vermutlich ab und dementsprechend wird auch Deutschland nicht mehr großartig viel damit zu tun haben. […] Ich glaube [auch], dass die Beziehung jetzt generell […] zu anderen Ländern in Europa nicht mehr dieselbe sein wird aber das hat ja diese Abstimmung auch bezweckt. Dementsprechend würde ich da nichts anderes erwarten.“

 

Cerys Maidment:

Als Britin habe ich aus diesen Interviews erfahren, dass der Brexit eine größere Auswirkung auf das Ausland hatte, als ich dachte. Es hat nicht nur die Mentalität der Deutschen über uns verändert, sondern auch das Potenzial für zukünftige wirtschaftliche Beziehungen. Da muss man sich die Frage stellen, wie der Brexit in anderen europäischen Ländern gesehen und darüber berichtet wird. Ist es genauso wie in Deutschland? Haben wir einen riesigen Fehler gemacht? Haben die Briten die Konsequenzen nicht so richtig verstanden? Sollen sie jetzt isoliert werden? Bei diesen rhetorischen Fragen fällt mir auf, dass Briten und Deutsche heutzutage nicht mehr nur durch ein Meer getrennt sind, sondern auch durch eine politische Perspektive.

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Die Veränderung der Gene durch Biotechnologie. Von Elif Balli

Neue Entwicklungen im Technologiebereich zeigen, dass Gene von Wissenschaftlern verändert werden können. Forschungen, die vor zwei Jahren in England durchgeführt wurden, zeigen uns, dass Veränderungen der Zelle möglich sind. Es stellt sich daher die Frage: Was bedeuten diese wissenschaftlichen Studien in ethischer Hinsicht?

Vor allem sollte man über einen Punkt nachdenken: Welche Gefahren kann diese Forschung mit sich bringen?

Der Name der genannten Methode ist CRISPR-Cas9. Die Anwendung dieser Methode hat im Jahr 2012 begonnen. Sie beschäftigt sich mit der Analyse des Genoms. Das Ziel ist die Diagnose von genetisch bedingten Krankheiten und die Verbesserung der Behandlung. Die Veränderungen an den erkrankten Genen ermöglichen gesunde Embryonen. Das Protein Cas9 wirkt auf das erkrankte Gen als Schere: Das erkrankte Gen wird durch ein gesundes Gen ersetzt. Zum Erreichen dieses Ziels muss man sehr vorsichtig sein, weil das Ersetzen von den fehlerhaften Teilen neue Krankheiten verursachen kann. Wir sehen erste Erfolge: In Kalifornien litt der 44-jährige Brian Madeux am Hunter-Syndrom. In einem Krankenhaus haben Ärzte diese Technologie angewendet. Die erkrankten Gene wurden ausgewechselt und bis heute geht es dem Patienten besser. Aber die Wissenschaft braucht noch Zeit, um die Erfolge abschätzen zu können. Andererseits ist es noch nicht möglich, dass man ein neues Genom erschaffen kann.

Im Rahmen der Forschung haben Wissenschaftler unterschiedliche Herangehensweisen und es wird immer noch kontrovers diskutiert. Einige Forscher sagen, dass diese Methode ein großer Schritt im Behandlungsprozess ist. Anderen zufolge wären genetisch veränderte Babies, die durch diese Methode entstehen könnten, sozialen Risiken ausgesetzt. Einige Wissenschaftler kritisieren die Methode sehr stark und man liest viele Diskussionen darüber. Unser Verhalten ist eng mit der Struktur unserer Zellen verbunden. In einigen Fällen kann die Veränderung zu unerwarteten sozialen Problemen im Zusammenleben führen. Es sollten daraus keine Segregation und Nachteile entstehen. Aus meiner Sicht kann die Methode sehr nützlich sein, allerdings nur in der Behandlung von kranken Genen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Auswirkungen dieser Forschung weiterhin Gegenstand von Diskussionen sein werden.

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Synästhesie – Ein Fluch oder eine Fähigkeit? Von Şule İrem Çağlayan

Die Behandlung von psychischen Krankheiten verbessert sich heutzutage durch neue Technologien immer mehr. Trotzdem hütet die Krankheit “Synästhesie” ihre Geheimnisse bis heute. Viele Menschen denken, dass Synästhesie eine besondere Fähigkeit ist. Ist die Synästhesie aber wirklich eine echte Fähigkeit oder haben Synästheten Schwierigkeiten wegen ihrer Krankheit?

Das Wort “Synästhesie” stammt von einem griechischen Wort das “mitempfinden” oder “zugleich wahrnehmen” bedeutet. Die Krankheit führt dazu, dass gleichzeitig mindestens zwei Sinne aktiviert sind. Die Menschen, die Synästhesie haben, werden Synästheten genannt. Synästheten können die Stimme die sie hören in ihrem Gehirn gleichzeitig visuell verarbeiten. Diese Situation verursacht, dass Synästheten eine Stimme sehen können. Die Synästhesie bewirkt nicht nur audiovisuelle Abnormalität – auch andere Sinne können sich vermischen. Man kann eine Stimme riechen, eine Figur schmecken, eine Farbe hören usw. Eine Abnormalität in Verarbeitungszentren des Gehirns führt dazu. Das Gehirn verarbeitet Reize des Sinnesorgans falsch. Nicht nur genetische Faktoren verursachen der Krankheit, sondern auch einige Krankheiten, insbesondere psychische Krankheiten und Unfälle, können zur Synästesie führen.

 “Die Liebe ist wie ein tauber Mensch, der Synästhet ist: man kann die Musik nicht hören, aber empfinden.”, schrieb Adam Fawer in seinem berühmtesten Buch “Empathie”. Beispielsweise können Synästheten eine Farbe, einen Geschmack oder einen Geruch wahrnehmen, wenn sie Musik hören. Sie nehmen nämlich die Reize mit einem anderen Sinn wahr. Das kann man als eine Chance und Fähigkeit sehen. Trotzdem beschweren sich Synästheten über den Verlust der Echtheitswahrnehmung. Sie können nicht wissen, welche Wahrnehmung echt ist und welche nicht.

Viele berühmte Maler, Komponisten, Autoren und Musiker waren Synästheten. Zum Beispiel: Vladimir Nabokov, Franz List, Richard Feynman, Amy Beach, Johann Wolfgang Geothe, Nikola Tesla usw. Sie konnten durch ihre Krankheit ihre Emotionen und Kenntnisse besser reflektieren. Aus diesem Grund hat Synästhesie ihnen Erfolg mitgebracht. Folglich kann man sagen, dass die Synästhesie sowohl negative als auch positive Effekte zur Folge hat. Aus diesem Grund wird das Phänomen auch in Zukunft ein diskutiertes und gleichzeitig geheimnisvolles Thema sein.

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