Single sein: Freiwillig, oder gezwungen? Von Camilo Porras Sandoval

Schon im Kindergarten wurden wir dazu gezwungen, „Mann und Frau“ miteinander zu spielen. Jedoch hatte es anscheinend wenige Auswirkungen auf unsere zukünftige Lebensgestaltung. Laut Zahlen des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung wohnen deutlich mehr Personen in Einpersonenhaushalten. Besonders sind die Zahlen in der Altersgruppe 20 bis 45 in den letzten 25 Jahren gestiegen. Was könnte dahinter stecken?

Einerseits hat sich die Weise wie Leute sich kennenlernen und in Kontakt kommen sehr verändert: Durch soziale Medien werden zwar viele Menschen miteinander verbunden, aber wenige Kontakte führen zu richtigen Beziehungen. Pokes, Swipes, Taps und Woofs zeigen selten den Weg zum Happy End. Möchten wir aber überhaupt danach streben?

Anderseits bewegen wir uns weg vom Grundgedanken, dass eine Person der Lebensmittelpunkt sein soll. Verschiedene Beziehungen erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse bei den Menschen. Gleichzeitig spielt jeder diverse Rollen im Leben der Anderen. Man kann die Vielfältigkeit der Beziehungen dadurch genießen, dass man den Druck, einen perfekten Partner zu finden, von anderen Personen fern hält. Zuerst muss man Andere finden, die es genau so sehen. Und dadurch befinden wir uns wieder am Ausgangspunkt. Ist man Single aus eigenem Willen oder wird man dazu gezwungen? Es gibt im Endeffekt keinen Unterschied.

Advertisements
Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen

Armenien in der deutschsprachigen Literatur. Von Ani Hakobyan

„Kaum eine Frau ist schöner als die armenische Sprache“ (Herbert Maurer)

Für jedes Volk ist die eigene Sprache die beste in aller Welt. Natürlich sind Armenier hier keine Ausnahme. Ich komme aus Armenien, aus dem Land, das als erstes das Christentum aufgenommen hat. Früher hatten Armenier „kein Haus“: Sie flohen, aber sie nahmen kein Essen oder Kleidung mit, sondern Bücher. Und schon ab dem Jahr 405 hatte die armenische Sprache ein eigenes Alphabet, das sich bis heute öfter verändert hat.

Dieses schöne Land kennt nicht jeder und das macht mich natürlich sehr traurig. Aber nicht nur unter Armeniern, sondern auch unter vielen anderen Völkern, gibt es diese Menschen, die die Kultur, die Literatur und die Traditionen des eigenen Landes verbreiten.

Ich möchte zwei deutschsprachige Werke vorstellen, die von Armenien, der armenischen Sprache, der Kultur, der Geschichte und der Tradition erzählen.

 

  1. „Und Gott spricht Armenisch“ (Herbert Maurer)

Das Zitat, mit dem ich eingeleitet habe, stammt aus diesem Buch. Der Autor spricht über eine kleine Republik im Süden des Kaukasus die viele schlechte Zeiten überstanden hat. Herbert Maurer war einer von denen, die ziemlich viel über Armenien wissen: Er studierte in Armenien, hat dort viele Jahre gelebt, er war Übersetzer, Autor, Reporter und Zeitzeuge von gesellschaftlichen und politischen Prozessen, die in Armenien stattgefunden haben.

Eine Sprache lässt sich immer besser im jeweiligen Land lernen: Deutsch in Deutschland, französisch in Frankreich und armenisch in Armenien. Maurer hat es auch so gemacht und im Buch findet ihr die Erlebnisse die der Autor bei uns erlebt hat. Er beschreibt auch die armenischen Wörter, die man in keine andere Sprache übersetzen kann.

Ich denke, dass ein Textausschnitt mehr erklären kann, als ich es mit meinen eigenen Worten kann: „Kaum eine Frau ist schöner als die armenische Sprache. Dieses Zitat, eigentlich aus dem indischen und persischen, das aber vielleicht auch österreichisch sein könnte, ist kaum einem Sprachwissenschaftler bekannt. Doch es könnte stimmen: Kaum eine Sprache hat einen solchen Zauber wie armenisch, kaum eine Sprache bleibt bei aller Kompliziertheit doch charmant, klingt gut in der Nacht und unter Tags, mit oder ohne Musik, beim Streiten und beim Beten. Die Grammatik des Armenischen versteht man weniger durch Bücher als durch die Landschaft und durch die Architektur“.

 

  1. „Die Armenierin“ (Thomas Hartwig)

Dies ist eine traurige Geschichte des deutschen Schriftstellers Thomas Hartwig. In diesem Buch, das weniger sachlich, sondern eher künstlerisch geschrieben wurde, geht es um einen Mann – Armin T. Wegner –, der sich freiwillig als Sanitäter zum Dienst im Osmanischen Reich meldet. Auf einem Ball lernt er die schöne armenische Frau Anusch Tokatliyan kennen. Gegen alle Widerstände reift ihre Liebe heran. Aber es herrscht Krieg, und sie müssen ihre Beziehung in der Dunkelheit des Krieges weiterführen.

In diesem Werk erfahrt  ihr die traurige Liebesgeschichte, die Tragödie des armenischen Volkes und ihr fühlt den ganzen Schrecken des Krieges: „Immer klingt aus einer verschlossenen Tür süßer Gesang, aber der Weg ist dunkel, und niemand weiß, wohin die Straße sich öffnet…“.

 

  1. „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ (Franz Werfel)

Das weltweit bekannte Stück des österreichischen Autors Franz Werfel berichtet über die vierzig Tage des Musa Dagh, von dem Berg, wo sich die Opfer des organisierten Völkermords rund 40 Tage versteckt hatten.

Die Hauptfigur Gabriel Bagradian, ein Reserveoffizier der türkischen Armee, wohnt schon viele Jahre in Paris, hat aber starkes Heimweh und kehrt mit seiner französische Frau Juliette und dem Sohn in sein Elternhaus zurück. Das Dorf, in dem Gabriel wohnte, liegt unterhalb eines Berges, der Musa Dagh heißt.

Die Ankunft der Armenier war eine Falle: Alle Armenier sterben und der Held mit seiner Familie gerät ebenfalls in die Falle. Mit seinen Freunden besteigt Gabriel den Berg…: „Gespenster… Doch nicht die von Menschen… Gespenster von Affen… Sie sterben nur langsam, weil sie Gras fressen und hier und da einen Bissen Brot bekommen… Das Allerschlimmste aber: Sie haben keine Kraft mehr, die Zehntausende von Leichen zu begraben… Das ist ein ungeheurer Abgrund des Todes…“.

Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen

„Bates Motel“: Ode an die Hassliebe. Von Ksenia Salnikova. (SPOILER-ALARM!)

Die Serie „Bates Motel“ basiert auf dem Kultfilm „Psycho“ (1960) von Alfred Hitchcock und behandelt das Leben von Norman Bates und seiner Mutter Norma vor den Ereignissen, die im ersten Film und dem Roman von Robert Bloch beschrieben werden.

„Diese unerträgliche Frau ärgert mich sehr! Gott, Norman, es ist kein Wunder, dass du verrückt wirst!“  denke ich mir und schaue die erste Staffel von Bates Motel für ein paar Folgen lang an. Doch wer hätte gedacht, dass ich am Ende der Serie mit dieser unerträglichen Frau sympathisieren würde, vielleicht mehr als mit dem armen Norman.

Ich denke, diese kranke Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist einer der Gründe, warum Bates Motel so süchtig macht: Es ist nicht nötig, Vera Farmiga zu unterschätzen und der erwachsene Junge aus der Schokoladenfabrik Willy Wonka macht einen unauslöschlichen Eindruck (Freddi Highmore). Es ist nicht nur interessant sie zu sehen, sondern wirklich eindrücklich. Und es ist gruselig. Wenn man auf einmal selber feststellt, dass die Bates-Familie ein Recht hat, in der realen Welt zu existieren, fühlst man sich unruhig.

Sie ist eine kraftvolle und hysterische Frau: Die Hysterie von Norma Bates könnte als eine separate TV-Serie herausgegriffen werden. Wir sehen eine Mutter, die ihrem Sohn nicht erlaubt, ohne sie zu leben. Wenn du kinderlos und jung bist, wirst du Norma wahrscheinlich als eine Gegenspielerin betrachten. Später wird klar, dass Frau Bates aber auch eine Frau mit einem harten Schicksal ist, mit einer schweren Last auf ihren Schultern.

Er ist seltsamer Junge. Er wuchs in einer Atmosphäre von Grausamkeit und Isolation auf – Normans Vater war stark alkoholkrank. Norman ist ein netter Kerl, aber er hat seine Probleme: Er hat Gedächtnislücken, nach denen meist eine Person stirbt. Sein Hobby passt auf ihn: Er ist ein talentierter Taxidermist.

Und diese beiden lieben einander. Es ist eine Geschichte der geistigen Abhängigkeit, die zum Absoluten erhoben wird: Denkt nach, warum der Sohn von Norma Norman heiβt. Aber es ist die Geschichte, in die ich mich verliebt habe. „Bates Motel“ liebst seine Charaktere und über fünf Staffeln hat sich die Serie zu etwas ganz Natürlichem entwickelt, ohne Twists für Ratings und die Fanbase zu vollführen.

Von Anfang an verstehen wir, dass die Bates kein glückliches Ende erleben werden. Von Anfang an verstehen wir, dass die Krankheit von Norman und die verzweifelten Versuche seiner Mutter, diese Krankheit zu verbergen, zu nicht Gutem führen werden. Und alle 50 Folgen führen uns zu einem tragischen Ende, Schritt für Schritt. Oft passt sich die Welt dem Helden an: Ein Auto funktioniert tadellos und rettet die Menschen, an anderer Stelle zerstört ein Zeitungsartikel die neu geschaffene Familie, irgendwo geht ein Polizist für ein falsches Wort ins Gefängnis.

Trotzdem halte ich „Bates Motel“ für eine wunderbare Serie. Nicht großartig, aber schön. Wir werden uns lange und schmerzlich an diese Charaktere erinnern. Der Hintergrund für jeden Charakter ist etwas so Natürliches, dass man es leicht für die real halten kann.

Die Atmosphäre entwickelt sich mit den Charakteren: Von Staffel zu Staffel wird alles dunkler, komplexer und verrückter. Der Wahnsinn verdient eine besondere Erwähnung, wenn man über Norman Bates spricht. Es gibt eine Szene am Ende der vierten Staffel, der viele Menschen wohl keine großartige Bedeutung zusprechen würden, weil die Mutter und ihr Sohn wieder einmal streiten. Aber diese Szene setzt den Stil für die gesamte Staffel: Die Bates werden in diesem Streit in unterschiedlichem Licht gezeigt: Norman ist kalt und bläulich und Norma ist im Gegenteil dazu warm und strahlend.

Doch wenn Norman nach dem Tod seiner Mutter verrückt wird, wenn er den Tisch für zwei deckt, aber alleine lebt, wird es wieder fröhlich-strahlend, weil er sich Norma lebendig vorstellt. Doch in Wirklichkeit ist es tödlich, kalt und dunkel.

Es gibt keine Schockmomente in der Serie. Man sieht sich die Serie eher deshalb weiter an, weil man sich für die Charaktere interessiert. In meinem Fall um Norma. Es war fast so, dass mein Herz gebrochen war, als ich das aufrichtige und sorgenfreie Glück dieser Frau sah, bevor sie starb.

Was bemerkenswert ist nach dem Tod von Norma: Die Mutter lebt im kranken Verstand ihres Sohnes weiter. Sie hält scheinbar das Haus sauber, sie strickt am Abend, aber wir wissen es besser: Es ist nicht Norma, sondern ihr Schatten.

Norma hat nicht verstanden, dass die Einengung ihres Sohnes schlecht ist, weil man ihn dann nie gehen lassen kann, selbst wenn man wollte. Norman wiederum, obwohl er seine Mutter endlos liebte, weiß nicht, dass Norma mehr ist als die dominante Mutter.

„Du und ich sind zwei Teile derselben Person“, sagte Norma Bates ein paar Stunden vor ihrem Tod. Wahrscheinlich war es für sie das Beste, dass sie nicht wissen konnte, dass diese Worte keine Metapher sein würden.

Sie hatte genug davon.

 

Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen

Raskolnikoff in Dresden – Ein Restauranttest. Von Magda Ubysz.

Ein Besuch in Dresden lohnt sich nicht nur wegen der Altstadt, die auf der rechten Seite der Elbe liegt. Jeder Tourist sollte auf jeden Fall auch über die Brücke gehen und die Dresdner Neustadt besuchen, die eine ganz andere Atmosphäre hat.

In der Böhmischen Straße 34 in der Neustadt befindet sich das Restaurant Raskolnikoff. Dort aß ich am Samstag zu Mittag.

Das Haus, in dem ich gegessen habe, stammt aus dem Jahr 1837. Das Gebäude hat eine kulturelle Vergangenheit – es haben dort viele Künstler aus Dresden gearbeitet. Sie schufen sich im Gebäude eine „Außenstelle der Kunsthochschule“. Heute befindet sich im ersten Stock der Sitz die Kunstgalerie und das gesamte Objekt steht unter Denkmalschutz.

Das Restaurant befindet sich sowohl im Erdgeschoss der Gebäude und man kann zudem im naheliegenden Garten essen. Es wird seit 1997 dort gekocht, damals hatte es den Namen Raskolnikoff erhalten. Angeblich hat eine Künstlerin den Namen in der Badewanne erfunden. Rodion Raskolnikow ist der Held in Dostojewskis Roman „Schuld und Sühne“. Im Roman erschlägt er zwei Frauen mit einer Axt. Deswegen ist eine Axt neben einer roten Lampe – ein Wahrzeichen des Hauses.

Das Restaurant Raskolnikoff hat eine offene Küche und alle können zusehen, was gerade gekocht wird. Obwohl das Raskolnikoff einen Schwerpunkt bei russischen Gerichten hat (zum Beispiel Borschtsch und Pelmeni), ist es keine rein russische Kneipe. Es gibt auch Käsespätzle, Rahmkuchen und viele anderen regionale Produkte. Ich bin der Meinung, dass die Speisekarte mit noch mehr russischen Spezialitäten den Gästen noch mehr Freude bringen würde.

Ich empfehle das Raskolnikoff Restaurant, weil es einzigartiger Punkt auf der gastronomischen Landkarte Dresdens ist.

Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen

Drei einfache Gründe, warum Objektivität im Journalismus nie funktionieren wird. Von Ksenia Salnikowa

Wir alle kennen diese Situation:

Du liest eine Zeitung: Herr N. ist die schrecklichste Person auf der ganzen Erde, du googlest nach ihm – und es stellt sich heraus, dass er nicht so schrecklich ist. Doch! Er ist ein feiner Kerl.

Die Unterschiede der Darstellung in verschiedenen Medien sind manchmal sehr groß: Das gleiche Thema kann schwarz und weiß sein, der gleiche Mann kann ein Feigling oder ein Held sein, die gleiche Krisensituation, wie auf der Krim, kann „die Annexion“ und „die Vereinigung“ bedeuten.

Und wenn Menschen mit einer solchen Situation konfrontiert sind, schreien viele: „Lügenpresse!“ Wir fordern von Journalisten Objektivität und Wahrhaftigkeit.

Aber kann so etwas im Journalismus überhaupt erreicht werden?

Ich glaube nicht. Objektivität ist ein Mythos, der geschaffen wurde, damit die Existenz und, noch wichtiger, der Einfluss der „Vierten Macht“ möglich ist. Es gibt drei einfache Gründe, warum Objektivität im Journalismus nie funktionieren wird:

 

  1. Journalismus orientiert sich am Konsumenten und der Konsument wird immer nach Bestätigung für seinen Standpunkt suchen.

1Bias

Das ist nicht abwertend gemeint, es ist aber so, wie unser Gehirn funktioniert. Die Psychologie untersucht seit vielen Jahren solche systematischen Fehler im Denken: Den Wunsch, seine Meinung zu bestätigen und nicht zu widerlegen ist ein solcher Fehler. Wissenschaftler beobachten diese Verzerrung, zum Beispiel wenn Menschen Informationen bewusst herausgreifen und bestimmte Informationsquellen, beispielsweise Medienangebote, auswählen. Zudem kann man festhalten: Je stärker eine Person an etwas glaubt, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass er einen alternativen Standpunkt hören will. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass ein eingefleischter Oppositioneller die offizielle Regierungszeitung abonnieren wird: Sie „lügen“ da alle!

 

  1. Der Journalismus formt nicht nur die Mehrheitsmeinung, sondern konzentriert sich auch darauf.

2Bias

Erneut: Es ist nicht so, dass ich den Glauben an die Menschheit verloren habe. Es ist nur so, dass es wahr ist. Laut der „Theorie der Schweigespirale“ der deutschen Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann ist es weniger wahrscheinlich, dass der Mensch seine Meinung äußert, wenn er fühlt, dass er damit in der Minderheit ist. Der Grund dafür ist, dass er Angst vor Vergeltung oder Isolation hat. Dasselbe kann mit Journalisten passieren: Wenn sie unpopuläre oder inakzeptable Meinungen für die Mehrheit aussenden würden, könnten sie ignoriert werden – egal wie respektiert sie sind. Man sagt, dass der Journalismus in einem gewissen kulturellen und sozialen Kontext existiert, der berücksichtigt werden muss. Deshalb wird man wohl erst der Zukunft im russischen Fernsehen hören, dass gleichgeschlechtliche Ehen ein Existenzrecht haben.

 

  1. Der Journalismus existiert in einem digitalen Informationsraum, der sich dem Konsumenten und der Mehrheit anpasst.

3Bias

Wie wir schon erklärt haben, bestätigen Personen ihre Meinung. In Übereinstimmung mit seiner Meinung wählt der Mensch „seine“ Medien aus. Das Internet verschärft dieses Prinzip: Es erinnert sich an unsere Wahl und gibt uns die Informationen vor, die uns gefallen könnten. Nach diesem Prinzip funktionieren sozialen Medien und Internet-Suchmaschinen. Unsere News-Feeds und Empfehlungen werden durch unsere bisherigen „Likes“ und Links abgebildet. Ein bekanntes Beispiel ist die kontextbezogene Werbung. Sie weiß, was wir suchen und sie will uns das verkaufen.

 

Das Interessante ist, dass ich nichts Neues gesagt habe.

Alle drei Gründe sind bekannt. Aber der Grund, warum diese Gründe nicht ignoriert werden können, ist noch deutlicher und sogar banal. Wir alle müssen von Etwas leben, wir alle brauchen Geld und Journalismus ist ein Weg, um Geld zu verdienen. Wenn Medien darauf verzichten würden, auf die Bedürfnisse ihrer Konsumenten zu hören, verlieren sie ihre Einnahmequelle.

Der Konsument fordert die Objektivität, für die er selbst nicht fähig ist.

Denke darüber nach.

Hast du MIR vertraut?

 

 

Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen

“Komm, gehen wir das Wasser berühren” – Rezension zu „Vamos a tocar el agua“ (Luis Chaves). Von Camilo Porras Sandoval

Bevor man die Heimat verlässt und in ein anderes Land reist, bereitet man sich gerne vor indem man Bücher über dieses Land liest. Reiseführer können zwar dazu dienen, Sehenswürdigkeiten in der Gegend zu entdecken, aber selten erzählen sie über die Gedanken und Gefühle der Personen, die diese Länder besuchen. Ich hatte die außergewöhnliche Gelegenheit, einen Text von einem costa-ricanischen Autor, der 2015 ein Jahr lang in Berlin gewohnt hat, vor meiner Anreise an Deutschland zu lesen.

Vamos a tocar el agua (grob übersetzt: Komm, gehen wir das Wasser berühren) von Luis Chaves erzählt über das Jahr, das der costa-ricanische Dichter mit seiner Frau und seinen beiden Kindern als Teilnehmer des Berliner Künstlerprogramms des DAADs verbracht hat. Die von den Jahreszeiten geprägte Struktur leiht er sich von dem koreanischen Film von Kim Ki-Duk Frühling, Sommer, Herbst, Winter…. und Frühling, wobei der Costa Ricaner mit dem kalten deutschen Winter anfängt. Durch die 4 Jahreszeiten, merkt man nicht nur wie das Wetter sich verändert, sondern auch wie die Familie sich entwickelt, was sie aus Costa Rica trotz der zeitlichen und geographischen Distanz nicht weglassen können, und was sie in Deutschland langsam übernehmen.

Besonders gut gelungen sind die Beschreibungen seiner Umgebung. Mit wenigen Sätzen erklärt Chaves die Geschichte und Relevanz der Berliner Kieze, Fußballvereine, Gebäude und Behörden, die seiner Familie alltäglich begegneten. Die Wespen dienen ihm als Zeichen des Jahresverlaufs. Das ist etwas, worauf ich hier in Bayreuth, dank seiner Bemerkungen, sehr achte.

Schnell wechselt er von dem Sachlichen zum Emotionalen. Dabei entwickelt sich das Thema, was mit einer Familie passiert, wenn sie an einem fremden Ort umzieht. Natürlich spielt hier auch eine Rolle, dass sie freiwillig und mit der Unterstützung des DAADs nach Deutschland gekommen sind. Dadurch werden die Dynamik, die Schwierigkeiten und Freuden der Familie Fokus der Erzählung.

Am bedeutendsten waren für mich die Bemerkungen über die Deutsche aus der costa-ricanischen Sicht. Die deutsche Bürokratie spielt eine wichtige Rolle und zeigt Costa Ricanern wie ihre eigene bürokratische Kultur ist. Wie finden wir Wege, um die Ausländerbehörde „überleben“ zu können? Solche Beobachtungen werfen nicht nur einen Blick auf die deutsche Kultur, sondern sie spiegeln das wieder, was wir an unserer costa-ricanischen Art und Weise nicht auf dem ersten Blick sehen.

Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen

Volleyball-Fieber an der Sommeruni. Von Borka Baszó

Volleyball gehört zu den beliebtesten Nachmittagsaktivitäten der Sommeruni, obwohl beim allerersten Training nur sechs Leute da waren. Seitdem steigt der Teilnehmerzahl ständig, der Programmpunkt hat nun mehr als 20 Teilnehmer. Aber warum ist das so?

Im Folgenden suche ich Antworten in einem Interview mit Stephan Ruhland, der für den Volleyballkurs bzw. für Beach-Volleyball verantwortlich ist.

 

Seit wann spielst du Volleyball?

Ich spiele Volleyball seit der siebten Klasse, weil es einer unserer Hauptsportarten in der Schule war.

 

Ist es also ein Pflicht in Deutschland Volleyball spielen?

Ballsportarten gehören auf jeden Fall dazu. Welche Ballsportart in einer Schule gespielt werden, hängt von der Schule ab, aber Volleyball gehört auf jeden Fall zu den beliebtesten Sportarten in Deutschland. Natürlich weit nach Fußball. Handball ist auch sehr beliebt, aber Volleyball würde ich sagen, kommt vielleicht schon an dritter oder vierter Stelle.

 

Haltest du auch Trainings außerhalb der Sommeruni?

Ich habe bisher kein Training gegeben, außer jetzt an der Sommeruni. Ich bin allgemein sportinteressiert und habe früher auch auf halbprofessioneller Ebene mindestens ein Jahr lang Leistungssport betrieben. Deswegen denke ich, dass ich sportlich genug bin um das machen zu können. Aber insgesamt geht es eher hauptsächlich darum Spaß zu vermitteln, die Kommunikation zwischen verschiedenen Leuten mit verschiedenen Deutschkenntnissen zu ermöglichen.

 

Wie kann man diese interkulturelle Kommunikation im Sport benutzen?

Bestenfalls kommuniziert man nicht so viel im Sport. Hier kann man aber manchmal in ein paar Situationen bestimmtes Vokabular lernen. Aber  man stimmt sich eher im Team ab und gibt Hinweise: Du stehst an dieser Position, wir haben die und die Taktik, die Aufstellung, oder in Situationen wenn zwei Spieler einen Ball annehmen wollen – dann sollte halt ein Spieler sagen, dass er den Ball nehmen möchte, aber das ist alles so auf spielerische Ebene.

 

Seit wann bietet die Sommeruni Beach-Volleyball an?

Das kann ich nicht genau sagen, ich schätze mal schon ein paar Jahre. Ich würde sagen mindestens seit 5 Jahren.

 

Kann man also sagen, dass es ein Erfolg ist?

Er ist schon erfolgreich, aber ich glaube unterschiedlich erfolgreich. Ich habe im letzten Jahr und dann in diesem Jahr wirklich viele Leute beim Beach-Volleyball gehabt. Beispiel letztes Jahr: Ich würde sagen, der harte Kern waren Japaner, das waren ungefähr so 12 bis 15 Japaner, die regelmäßig zum Beach-Volleyball gekommen sind. Dadurch haben wir natürlich nochmal eine große Gruppe gehabt. Dieses Jahr sieht es natürlich anders aus, es waren nur am zweiten Training zwei Japaner dabei. Was mich positiv überrascht ist, dass wir konstant Leute haben, die immer kommen. Wenn jemand eine Sportart mag, dann kommt er auch wieder. Das spricht auf jeden Fall dafür, dass die Leute sich untereinander verstehen und damit ist schon das allerwichtigste Ziel erreichen, nämlich dass die Leute Spaß haben.

 

Ich habe in einer kurzen Umfrage die Teilnehmer gefragt, warum sie Volleyball so gerne haben und das Ergebnis ist interessant: Laut der Umfrage sagten viele der Befragten, dass sie außerhalb der Sommeruni selten oder gar nicht Volleyball spielen. Also ist es vielleicht das sommerunispezifische Sportprogramm? Doch es liegt eher an anderen Gründen: „Es macht mir Spaß“ schrieb jemand als Antwort auf meine Frage: Warum gefällt dir an der Sommeruni das Volleyball? Jemand anderes meinte: Es macht Spaß, Volleyball in einem internationalen Umfeld zu spielen“, und: „Weil ich damit außerhalb des Unterrichts andere Leute kennenlerne und mit Ihnen Spaß haben kann! Volleyball ist eine sehr gute Möglichkeit, gemeinsam zu entspannen.“. Eine andere Antwort lautete: „Weil wir alle zusammen Spaß haben und es ist eine andere und neue Weise ist, um miteinander zu kommunizieren“.

Es sind also die interkulturelle Kommunikation und der Spaß am Sport, die die Teilnehmer begeistern, kurzum: Volleyball macht einfach viel Spaß.

Veröffentlicht unter In Gedanken | Kommentar hinterlassen