Das letzte Wort …

… ist noch nicht gesprochen, der letzte Text noch nicht geschrieben, heute wird noch einmal Abschied gefeiert. Vorher aber zumindest noch ein Foto unserer Journalistengruppe, damit jeder sich ein Bild von denen machen kann, die hinter den Texten stehen. Judyta fehlt – der Grund findet sich in ihrem letzten Beitrag…

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“Hallo” in zehn Sprachen

„Jam? Wie Marmelade?“ – Nein!  G-e-m! So heiße ich.

Solche Missverständnisse haben die Studenten unserer Uni am Anfang sehr oft gehabt. Drei Wochen später können sie schon einander ohne Wörter verstehen, als ob sie schon das ganze Leben befreundet wären. 

Heute kann ich “Hallo” in mindestens zehn Sprachen sagen. Einige fremde Wörter klingen sogar wie Schimpfwörter in meiner Sprache, so dass ich sie ganz schnell lernen kann.

Jugendliche aus mehr als aus 50 Ländern sind nach Bayreuth gekommen. Vor drei Wochen war das eine ganz unbekannte Stadt, die die Studenten heute nicht verlassen wollen. Studium macht Spaß. Und die Freizeit auch. In dieser kleinen Stadt kann man immer etwas Interessantes für sich finden. 

Was soll ich heute wählen? Exkursion? Shopping? Kino? Aber am Freitag Abend besuche ich unbedingt Sommeruni-Party! Alle sind da – Studenten, Dozenten, Kursbüro-Organisatoren. Man kann hier richtig abfeiern! Die Hauptsache ist, am Samstag den Ausflug in eine andere Stadt nicht zu verschlafen. Dazu gibt es die schöne Möglichkeit, am Sonntag privat etwas zu unternehmen.

Ja, in Bayreuth genießt man das Studentenleben. Schade, dass es schon zum Ende geht…obwohl ich schon von meinen neuen Freunden zum Besuch eingeladen wurde. Nach Armenien, England, Türkei, Tschechien, Polen – das bedeutet nur folgendes – to be continued…

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Danke!

Die Sommeruni ist schon zu Ende. Es tut mir leid, aber wir müssen Abschied nehmen. Ich möchte alle danken, mit denen ich diese Zeit vertrieb.

Danke, Viktoria Kaufmann!!!

Sie haben mir so oft geholfen, schon vor dem Beginn der Sommeruni und auch hier.

Danke, Kursbüro!!!

Sie haben für uns viele Exkursionen und andere Freizeitgestaltungen organisiert. Das war wirklich toll!

Danke, Silke!!!

Mein Deutsch ist besser geworden. Aber nur mit Ihrer Hilfe. Ihre Methoden sind schön. Es war immer interessant  im Unterricht.

Danke, Clemens!!!

Ich verstehe jetzt, was eigentlich “Blog“ bedeutet. Und auch einige journalistische Themen sind mir  jetzt näher. Und außerdem noch: Sie haben sich mich mit der Arbeit des Rundfunks und der Zeitungsredaktion und überhaupt mit der Welt des Journalismus  bekannt.

Danke, meine Freunde!!!

Ich habe hier so viele gute Menschen getroffen. Und ich hoffe, dass wir auch nach der Uni nicht den Kontakt  verlieren.

 

Danke, Bayreuth!!!

Ich habe hier so viele schöne Orte gesehen. Ich freue mich, dass ich hier in dieser Zeit war und hier Deutsch gelernt habe.

Ich werde „Lebe wohl!“ nicht sagen, ich sage: „Bis bald!“, weil ich hoffe, dass ich zurückkehre…

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Stimmlos in Bayreuth

Ich habe keine Stimme. Es bedeutet für mich etwas schreckliches, eine echte Katastrophe. Ich kann überhaupt nicht kommunizieren, weder „Entschuldigung“ noch ein freundliches „hallo“ zu meinem attraktiven Nachbarn sagen. Ich kann nicht auf der Karaoke-Party singen und ich fühle mich von der Welt verstoßen. Als ob ich nie existiert hätte. Kopfschmerzen erlauben mir nicht klar zu denken.  Millionen von Tabletten wandern bis zu meinem Magen. Dagegen führen die Lungen ein individuelles Leben und ich habe den Eindruck, dass sie schon nicht zu meinem Körper gehören. Meine Nase ist todmüde und hat keine Lust auf weitere Zusammenarbeit. Mein Hals tut weh und wie schon erwähnt wurde, ich habe keine Stimme! Kann man überhaupt ohne Stimme funktionieren?

Ich weiß  aber, dass ich mit meiner Stimmlosigkeit nicht einzig bin. Es gibt noch mehr Opfer des Bayreuther Wetters.  Ein Wetter, das so unvorhersehbar wie skrupellos ist. Auf dem Campus, in den Räumen der Universität Bayreuth, in der Mensa und in den Toiletten hört man die Geräusche vom Schnäuzen,  Niesen,  Husten, sogar von Hustenanfällen. Wenn das hier jemand irgendwann  lesen wird, der noch nie in Bayreuth war, rate ich ihm von ganzem Herzen, eine ernste Waffe gegen dieses Wetter mitzunehmen.

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Wer hat Angst vorm schwarzen Clemens?

Wer schon einmal ein Bier oder ein ähnlich hochprozentiges Alkoholgemisch, vor, nach oder während der Sommeruni 2011 in Bayreuth getrunken hat oder in diesem Falle besser gesagt, probiert hat zu trinken, muss ihn bemerkt haben. das Schreckgespenst aller angehenden Berufsalkoholiker, das Phantom der Gewohnheitstrinker, der Mann mit dem furchterregenden, jedoch TÜV-geprüftem Damenfahrrad, von dem man nur eine Staubwolke erblicken konnte, wenn man ihm hinterher sah.

Das legendäre Damenrad, nur 500 Meter vom berüchtigten Treffpunkt entfernt...

Er trägt einen Namen, wir müssen ihn jedoch aus Sicherheitsgründen vorläufig Clemens S. oder nein, noch besser C. Schöll nennen, um nicht sofort den Verdacht zu erwecken von wem überhaupt die Rede ist . Vor allem in der kleinen, von radikalem  Antialkoholismus geprägten polnischen Gemeinde verbreitete er Angst und Schrecken. Clemens war nicht mehr nur ein gewöhnlicher Name, sondern mittlerweile ein Warnruf geworden. Niemand weiß wann und wo er plötzlich wieder auftauchen konnte. Kein zaghafter Versuch an einer Bierflasche zu nippen, schien ihm zu entgehen.

Panik brach allmählich aus. Wie sollte man ihn aufhalten? Ist das überhaupt möglich ? Ist er vielleicht ein mit für den menschlichen Verstand unerklärlichen Kräften ausgestatteter Außerirdischer, der ohne weiteres die Menschheit versklaven möchte und vor allem den krisengeschüttelten, aus Mittelosteuropa stammenden Vertretern der studentischen Rasse ihre letzte Hoffnung, das Substitut für Glückseligkeit, rauben will ? Ein schrecklicher Gedanke.

Es musste ein Kompromiss geschaffen werden, wonach sich verswchiedene Lager bildetetn. Wie sollte man gegen ihn vorgehen ? Entweder musste man den Eindringling entfernen oder mit ihm kooperieren.  Man entschloss sich diplomatisch mit ihm zusammen zu arbeiten, um weiteres unnötige Alkoholvergießen zu verhindern und begann ihn ganz einfach zu den jeweiligen, intellektuell sehr anspruchsvollen Feiern einzuladen. Ein Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit dem rasenden Reporter Clemens, dem keine Bayreuther Schnapsnase so leicht davon kommt und der, wie sich später herausstellte, Leiter des Fachkurses für Journalismus war.

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„Meine Heimat und ich sind wie Schatten und Licht eng verbunden”

Überlegungen zum Thema „Was bedeutet Heimat?”

Gleich ist es vorbei. Der Countdown läuft. Die Sommeruni… Vier schöne Wochen in Bayreuth. Bald wird der Aufenthalt in der Festspielstadt eine ferne, aber liebevolle Erinnerung in den Gedanken der Sommeruni-Studenten sein. Vor etwa drei Wochen war das Kursbüro der perfekte Ort, um die Studenten aus verschiedenen Ländern zu beobachten. Man spürte die Aufregung, die Vorfreude darauf, bald etwas ganz Besonderes zu erleben. Damals dachten wir nicht an das Abschiednehmen. Aber wie schnell kann ein Monat vergehen…

Für viele Teilnehmer war es das erste Mal, dass sie mehrere Wochen weit entfernt von der Familie, von dem Ort, wo sie sich wohl und sicher fühlen, verbrachten. Die gewohnten Abläufe, Regeln, Gewohnheiten veränderten sich im Nu. Damit stellte sich sofort die Frage: „Hast du schon Heimweh?”. In einigen Leuten entstand dieses innige Gefühl der Sehnsucht, wieder daheim zu sein. Die anderen dagegen machten sich mit dem Leben in Bayreuth sehr schnell vertraut. Eins ist aber klar: Jeder hat eine „Heimat”. Heimat ist ein wichtiger Teil unseres Lebens – aber welche Bedeutung steckt hinter diesem Begriff? Wie definiert man Heimat? Was macht eine Heimat aus? Gibt es eine einheitliche Definition? Die möglichen Antworten auf diese Fragen suchten wir an einem schönen Freitag Nachmittag im Café-Journal. Warum dort? Auf unserem Programm steht: Literatur-Café. Das Treffen von sich für die Poesie interessierenden Sommeruni-Studenten im Café Journal mit Olli, um über die Literatur Gedanken untereinander auszutauschen. Und das Thema lautet: die Heimat. Aus der Perspektive der Literatur. Ich kann aber etwas verraten: Wir konnten zur keinen Einigung kommen.

Ort, Gefühle, Erinnerungen, Zuhause

Für manche Sommeruni-Studenten ist Heimat ein bestimmter Ort, wo sie geboren und aufgewachsen sind oder wo sie sich einfach wohl und zuhause fühlen. In diesem Sinne ist Heimat eng mit einem Land oder einer Stadt verbunden. Aber sie vertreten die Minderheit unter den Literatur-Café-Teilnehmern, denn die anderen assoziieren mit dem Begriff Heimat ein Gefühl, eine schöne Erinnerung, von der sie auch nach so vielen Jahren noch Gänsehaut bekommen. Heimat bedeutet also für jeden etwas ganz anderes, so ist es unmöglich, eine einheitliche Definition zu finden.

Heimat ist dort, wo das Leben einen Sinn hat.

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ (Zitat aus dem Confessiones von Augustinus). Dieser Spruch gilt auch für den Begriff Heimat. Heimat ist etwas Unbestimmbares, jede Person hat eine persönliche, individuelle Formulierung, was sie als Heimat betrachtet. Deswegen lässt sie sich nur schwer definieren.

Solange Heimat da ist, d.h. man sich wohl und zuhause fühlt, spürt man sie kaum. Es ist selbstverständlich, dass jeder seine eigene, individuelle Heimat hat. Wenn sie aber fehlt aus irgendwelchem Grund – wie z.B. wenn man für längere Zeit im Ausland ist (denk z.B. an die Sommeruni :-) ) –, dann erkennt man ihre Wichtigkeit. Das nennt man Heimweh. Je entfernter wir uns von der Heimat befinden, desto öfter denken wir an den bestimmten “Ort”, wo wir uns sicher fühlen. Oder an Geräusche, Erinnerungen, die unser Leben schöner machen.

Kindheit: Reich der Erinnerungen

Für mich persönlich ist die Heimat stark mit Erinnerungen aus der Kindheit verbunden. Die Erinnerungen aus der Kindheit geben mir ein Gefühl der Geborgenheit und der Zugehörigkeit. Heimat ist also ein Buch voller Erinnerungen und Eindrücke. Wenn ich dieses Buch aufschlage, dann kommen daraus Gerüche, Musik, Düfte, Geräusche und Bilder hervor. In diesem Buch sind auch all diese Dinge versammelt, die mir das Gefühl geben, daheim zu sein. Es macht richtig Spaß, in diesem Buch zu blättern, vergessene Dinge wiederzuentdecken oder neue darin aufzuschreiben. Hast du auch ein solches Buch, das deine Erinnerungen enthält?

Zum Schluss hier sind zwei deutsche Lieder, in denen es um die Heimat geht.

 Herbert Grönemeyer: Heimat

 „Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl”

Und mein Lieblingslied, das ich nur empfehlen kann, weil es einfach wunderschön ist.

„Meine Heimat und ich sind wie Schatten und Licht eng verbunden”

„Weil ich hierher gehöre, ob ich will oder nicht”

„Ja, ich habe keine Wahl, denn sie hat mich ganz egal wo ich bin”

Anna Depenbusch: Heimat

 

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Sowohl Arbeit als auch Hobby – Interview mit Oliver Hepp

Oliver Hepp ist schon seit sieben Jahre Dozent bei der Sommeruni. Er hat an der Universität Bayreuth Germanistik und Philosophie studiert und er promoviert gerade in Germanistik. Er ist Literaturwissenschaftler, der sich besonders mit dem Motiv der Vampire beschäftigt.

Malwina Fendrych: Was bedeutet für Sie die Kunst?

Olivier Hepp: Ich sehe die Kunst aus zwei Perspektiven. Einmal, weil meine Arbeit sehr eng mit der Kunst verbunden ist, als Literaturwissenschaftler gewöhnt man sich einen rationalen Blick an für etwas Ästhetisches. Für mich persönlich, jetzt abseits des Arbeitslebens, ist die Kunst einfach  Entspannung, also wenn man abends nach einem stressigen Tag  nach Hause kommt, dann schaffe ich es Gott sei Dank, immer noch zu lesen, einfach um des Lesens willen oder um mir einen Bildband anzugucken. Für mich ist auch Filmkunst sehr wichtig, wenn ich einen gut gemachten Film ansehe. Also Kunst ist sowohl Arbeit als auch Freizeit, und wenn ich Kunst ansehe oder rezipiere, dann ist sie auch Passion, das mache ich mit vielen Emotionen, um mich auch emotional abzureagieren.

M.F.: Ist also Kunst mehr als ein Hobby?

O.H.: Ja, es gibt auf Deutsch einen schönen Satz: „Man hat sein Hobby zum Beruf gemacht, aber natürlich ist sie generell zuerst eine Leidenschaft für die Künstler und dann – in meinem Fall – die  Möglichkeit, das zum Beruf zu machen.“

M.F.: Wie weit kann man die Kunst mit der Kultur identifizieren und assoziieren?

O.H.:  Als Literaturwissenschaftler würde ich sagen, dass Kunst quasi Kultur mit produziert, aber hier kann man keine Hierarchie aufmachen, sondern die Kunst ist ein Teil des Produktionsprozesses der Kultur, sie hängen proportional voneinander ab. Die Kunst bedingt Kultur, wird aber auch durch kulturellen Background gebildet, das kann man nicht so richtig trennen.

M.F.: Am Beispiel der Sommer-Uni kann man das weltweite Phänomen der multikulturellen Gesellschaft beobachten. Man kann auch bemerken, dass, wenn es zur Konfrontation der Kulturunterschiede vieler Welten kommt, zeigt sich sofort ein Gefühl der Fremdheit. Ist es also möglich, sich gegenseitig anzunehmen und die Kulturen in der Begegnung mit den Anderen aus den verschiedenen Ländern zu verbinden?

O.H.: Ja, meiner Meinung nach sieht man das am besten bei uns im Kurs, wenn wir zum Beispiel über Literatur, die ja Kunst ist, einen Zugang zur Kultur herstellen. Wenn man dann über das Medium Kunst in die Kultur eintaucht, kann man so etwas Gemeinsames nennen. Aber ich würde auch schon sagen, dass man im Idealfall durch die Kunst die Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Kulturen bekommen kann. Und je nachdem wo man gerade ist – also ich würde dieses Phänomen auch ortsabhängig sehen – kann die Kultur des Ortes so das erste Sprungbrett sein. Also so wie wir z.B. Kafka lesen und über die emotionalen Lagen sprechen, die aus Polen, Ungarn, Tschechien, England, Armenien, Bulgarien oder der Mongolei und aus anderen möglichen Ländern kommen. So funktioniert es sicherlich auch, wenn ich zum Beispiel in Ungarn bin und ich lese irgendein Buch eines ungarischen Autoren, Maraj zum Beispiel, und spreche dann über die emotionale Lage oder den Zugang, den man als Nicht-Ungar hat. Über das Medium, über das Sprungbrett Kunst kann man einen Ausschnitt von jeder Kultur gewinnen, den man auch mit den anderen Kulturen vergleichen kann.

M.F.: Innerhalb der vier Wochen können diese Menschen verschiedener Herkunft und Kultur ein neues Miteinander in der Vielfalt bauen. Sie sind schon seit einigen Jahren Dozent und Sie können sich diese Verbindungsprobe der Kulturen aus der Nähe ansehen. Haben Sie bemerkt, ob diese Unterschiede zwischen den Kulturen Mentalitätsgrenzen bilden, Missverständnisse verursachen oder die Menschen neugierig machen? Und um welche Unterschiede handelt es sich?

O.H.: Ich würde sagen, alles zusammen. Also ich meine, man hat erstmal verschiedene Kommunikationsebenen: als Dozent an der Sommer-Uni unterrichte ich Kurse, und treffe ganz andere Kulturen aus den asiatischen Ländern, die komplett anders sind als zum Beispiel bei uns in Bayreuth, in Deutschland. Alles zusammen, weil diese Sommer-Uni auch deshalb funktioniert, weil man neugierig wird auf das Andere, also man hätte die Neugier, man hätte da auch die Missverständnisse, die besonders am Anfang sehr stark sind, dann hat man dazu Kommunikationssituationen, egal ob sie verbal oder nonverbal sind. Verbale Situationen, in denen man darauf achten muss, warum etwas schief gegangen ist oder wo das Missverständnis liegt. Das wechselt sich ab so im Laufe der Sommer-Uni und ich glaube, dass dieses Konzept funktioniert, weil die Menschen neugierig auf das werden, was die Missverständnisse produziert und woher wir alle kommen.

M.F.: Erinnern sie sich vielleicht an Beispiele, die die Wirkungen des Missverständnisses und der Neugier in der zwischenmenschlichen Kommunikation verdeutlichen?

O.H.: Ein ganz kleines Missverständnis: ich habe einen Kurs unterrichtet, in dem es Menschen aus Indien gab. In Deutschland ist es so, wenn jemand mit dem Kopf nickt, bedeutet das „ja“, und wenn er ihn von rechts nach links schüttelt, „nein“ als nonverbale Gesten. Und ich habe nach jeder Diskussion gefragt, ob sie alles verstanden haben und sie haben mit dem Kopf von rechts nach links geschüttelt und ich habe gedacht: Mann, bist du so ein schlechter Lehrer? Nach dem dritten Mal habe ich gefragt, ob sie wirklich nichts verstanden haben und sie haben gesagt: Doch, wir haben das verstanden!

Und ein Beispiel für die Neugier: ich hatte einmal eine wirklich heterogene Gruppe, die sich aus Asiaten, Afrikanern, Europäern und Südamerikanern zusammensetzte und ich habe wirklich bemerkt, dass die Lateinamerikaner und vor allem die Südeuropäer, genauer ein Spanier und ein Mexikaner, haben sich am Anfang gefragt, warum die Menschen aus Asien, genauer aus China und aus Japan nicht so körpersprachentechnisch mit ihnen kommunizieren. Was ich großartig fand, war, dass die beiden sich dann nicht beschwert haben, dass die mit ihnen nicht so sprechen wie sie das gewohnt waren, sondern die Beiden im Unterricht gefragt haben: „Warum macht ihr das denn so?“ Und dann antworteten die asiatischen Teilnehmer: „Das können wir auch nicht sagen, wir sind es einfach nicht gewohnt, das ist nicht unsere Art zu kommunizieren.“ Danach haben  wir im Kurs während dieser vier Wochen im August 2006 ein gutes gemeinsames Niveau gefunden. Die Südeuropäer und Südamerikaner waren nicht so kommunikativ offensiv wie früher und alle Asiaten haben sich dann mehr geöffnet. Weil sie so eine tolle Vertrauensbasis aufgebaut hatten.

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